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Klangarbeit mit Grundschulkindern in Schleswig Bildungsprojekt getragen vom "Musikschultaler"

Weihnachtsfeier Musik AG der St Jürgen Schule – Dezember 2011

Am 15. Dezember 2011 präsentierte die Musik AG der St Jürgen Schule auf der diesjährigen Weihnachtsfeier vor Mitschülern, Lehrern und Eltern die Früchte ihrer Arbeit während des letzten Schuljahres. Die Schüler hatten sich entschieden, kein typisches Weihnachtslied für ihren Beitrag zu wählen, sondern einfach das Stück, dass ihnen am meisten Freude bereitet zu spielen. Das war in diesem Fall eine liebevoll arrangierte Version des 2Raumwohnung Stücks "Nimm mich mit". Quasi als Zugabe gab es dann doch noch ein weihnachtliches Stück, nämlich George Michaels "Last Christmas". Stücke zu covern ist ein von Musik AG Leiter Arne Frercks bewusst gewählter Weg um die Kinder mit möglichst viel Spaß ans eigene Musizieren heranzuführen.
Selbstbewusstsein und Gruppengefühl zu stärken ist ein wesentlicher Aspekt dieser Arbeit mit Gruppen von 9 bis 11 jährigen Kindern, in denen ein hoher Prozentsatz aus sozial problematischen Familien kommt. Die Arbeit mit den Kindern geht über das Erlernen musikalischer Fähigkeiten weit hinaus. Fast könnte man sagen, die Musik dient hier als Werkzeug, die Kindern in den Bereichen soziale Kompetenz und Arbeit im Team zu fördern. Viel wichtiger als musikalische Fähigkeiten sind der Umgang miteinander, das Lösen von Konflikten, Konkurrenzdenken zugunsten von Teamgeist zu lockern und das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken.
(Arne Frercks - Klangbehandler & Musiker)

Erste Aufführung der beiden Gruppen am Vorlesetag der Grundschule - Januar 2011

Souverän präsentierten die Kinder aus den beiden Musik-AGs eigene Vorstellungen vor ihren MitschülerInnen, Eltern und Lehrkräften. So leitete in der ersten Gruppe eine erzählte und gespielte Klang-Geschichte durch Spielelemente, in denen die Kinder in unterschiedlichen Rollen miteinander trommelten, sangen und tanzten. Szenisch spannend gelang die zweite Vorführung, bei der die Gruppe an Perkussions-Instrumenten die über Mikrophon verstärkten Rhythmen (genannt "Beatboxing") ihres Klassenkameraden begleiteten.

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Arne Frercks berichtet aus seiner Arbeit mit Schulkindern:

Ich habe in den Musikgruppen in der St Jürgen Schule bewusst sehr früh einen verbindlichen Termin für eine öffentliche Aufführung unserer Arbeit gemacht. So erlebten die Kinder so schnell als möglich ein konkretes Ergebnis dessen, was wir miteinander musikalisch und spielerisch aufbauen. Die Motivation, sich wirklich für etwas einzusetzen, und durchaus anspornende ‚Ängste’ wie Lampenfieber, ob das denn gut geht, fördern in diesem Prozess positive Energien und lassen unsere Gruppe (zumindest kurzfristig) enger zusammen wachsen.

Diesen Teil meiner Arbeit finde ich enorm wichtig - ja zunächst wesentlich wichtiger als das musikalische Niveau: etwas Kreatives in einer Gruppe auf die Beine zu stellen mit allen persönlichen und praktischen Schwierigkeiten. Die Kinder in beiden Gruppen haben hier einen großen Lernbedarf und zeigen enorme Lernfreude! Ich bin der Meinung, nichts ist hilfreicher als eine gelebte Erfahrung! Und im Fall unserer Aufführung war das Erleben für die Kinder fast ausnahmslos positiv
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(Februar 2011, Arne Frercks * fon 0178 3982565 * www.klangbehandlungen.de)

Welche positive Wirkung an der Basis durch den im europäischen Rahmen einmaligen „Musikschultaler“ des Schleswig-Holstein-Musikfestivals erzielt wird, beleuchtet ein Besuch der Schleswiger Grundschule St. Jürgen - November 2010

In dem multikulturell geprägten nördlichen Stadtteil stammen allein an der Grundschule mehr als die Hälfte aller 164 Kinder aus Zuwandererfamilien. Zwar sind Bildungs-Grundkenntnisse die unbedingte Basis im Unterricht der Lehrkräfte, allerdings fielen in regulären Stunden nach Lehrplan immer Kinder heraus, denn alle müssen mithalten können, für besondere Neigungen oder Befindlichkeiten ist hier nicht ausreichend Raum. So wundert es kaum, dass für die aus Mitteln des „Musikschultalers“ geförderte, attraktive Musik-AG eine lange Warteliste besteht. Einen besonderen Erfahrungsraum bietet die Grundschule hier in Kooperation mit der Kreismusikschule Schleswig-Flensburg: mit einer überraschenden Vielfalt an Instrumenten proben die Kinder eigenes Musizieren. Größte Herausforderung für die Sieben- bis Neunjährigen ist jedes Mal: Innere Ruhe Finden, sich Konzentrieren und einander Zuhören beim Zusammenspiel!

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Für den Musikpädagogen Arne Frercks aus Schleswig, der das seit einem Jahr erfolgreiche Projekt fortsetzt, ist jede Stunde mit seinen Kursen ein Balanceakt. Es duftet aus dem Nebenraum nach dem Mittagessen der Schulküche – und die Kinder sprühen am Ende ihres Schultages immer noch vor Energie. „Wer hier zur Tür hereinstürmt in den Musikraum, ist ganz sicher neugierig auf die Welt der Klänge,“ weiß Frercks zu berichten, „allerdings ist die Konzentration auf eine einzige Aktion während unserer Musikstunde ein enormer Kraftakt, der manchmal von einzelnen Kindern gar nicht gleich geleistet werden kann.“  Immer wieder trudeln Klangstäbe zwischen den unruhigen Stuhlreihen, ringen Jungen wie Mädchen mit Ausbrüchen um Aufmerksamkeit, wollen ‚alleine-machen-dürfen’ und den Ton angeben. Ein langer Weg wird hier von engagierten Lehrkräften beschritten, neben Grundkenntnissen der Bildung überhaupt elementare Kompetenzen zu vermitteln. Frercks zeichnet ein klares Bild: „Wenn diese Kinder nicht wenigstens im Grundschulalter lernen, mit Konzentration und Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben, sich selbst und Andere in der Gruppe respektvoll wahrzunehmen – was werden das dann für Erwachsene?“
Sein Konzept für diese besondere Stunde klingt einfach: Zum einen Lust auf Musik Wecken, kindgerechten Zugang zu verschiedenen Instrumenten anbieten, Probieren lassen. Zum anderen Soziale Kompetenzen entwickeln Helfen, aufeinander Hören und im gleichen Rhythmus Musizieren Lernen. Frercks: „Allerdings hat fast jedes Kind einen unbändigen Impuls zu agieren und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen zu wollen!“ In vielen eruptiven Situationen fängt seine ruhige, klare wie klärende Ansage die Kleinen immer wieder neu ein: Worum geht es hier? Was wollen wir gemeinsam erreichen?

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Sehr viel Zeit braucht dieser immens wichtige Lernprozess, dessen Strahlkraft stark in den Schulalltag und bis in die Familien wirkt. Wenn sich dann in der Folge einzelne Kinder aus der Musik-AG auf den Weg zum eigenen Instrument machen, wachsen sie schnell als neue Vorbilder aus den eigenen Reihen auf, wesentlich authentischer und prägender als jedes Kunstgebilde der allgegenwärtigen Medien. Schulleiterin Roder bestätigt: „Medien und technische Mittel für einen vermeintlich schnellen Erfolg beim Musikmachen haben viele Schüler oft selbst zu Hause!“ Der Weg für musikalische Lerneffekte sei in diesem besonderen Unterricht aber unmittelbarer, tiefer gehend am eigenen Körper spürbar und wird zu einer persönlichen Erfahrung. Erklärtes Ziel der Grundschule St. Jürgen ist, eine fundierte Bildung mit kulturellem Basiswissen zu vermitteln, allerdings bedarf es, um Kopf und Herz der Schüler erreichen zu können, eines Mindestmaßes an innerer Ruhe, damit die Kinder sich überhaupt konzentrieren und miteinander vernünftig agieren können. Die kommissarische Schulleiterin Gabi Röder zieht ohne Zögern ein klares Fazit: Mit dem Musikprojekt vom „Musikschultaler“ ist ein ungemein wertvoller Impulsgeber für den Schulalltag gefunden worden. Diese Stunde passt harmonisch in das Gesamtkonzept, nach dem ihre Schule einen Schutzraum für die Kinder bieten will, den sie immer gern besuchen. Gabi Röder: „Aus unseren Schulkindern sollen starke Erwachsene werden können!“

Willi Neu, Schulleiter der Kreismusikschule Schleswig-Flensburg ergänzt: "Das Schleswig-Holstein-Musikfestival" gibt uns mit dem "Musikschultaler" seit vielen Jahren einen Schatz an die Hand, mit dem wir gerade bei den Kindern in der elementaren Musikpädagogik unserem Bildungsauftrag zielgerichtet nachkommen können. Dafür sind wir außerordentlich dankbar!" 

„Würde diese besondere Stunde Musik-AG fehlen, wäre es eine weitere Stunde auf der Straße!“

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Schulleiterin Gabi Roder schätzt die Situation ihrer Schützlinge nüchtern ein: Zwar leben die Kinder aus Zuwandererfamilien in der Regel in intakten Familienverbänden, in denen Sport, Bildung und gerade Musik einen hohen Stellenwert haben. Allerdings ist der Regelunterricht häufig problematisch, und unterschiedliche Traditionen im Jahresverlauf fordern besondere Aufmerksamkeit, denn „Feste egal ob christliche, russische wie muslimische führen schnell zu einem Auseinanderdriften. Hier müssen wir die Kinder immer wieder sehr sensibel zusammenführen!“ so Schulleiterin Roder. Sehr gut gelingt dies über Projekte in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule, weil keine Lehrplanbindung einengt und individuelle Wege zu jedem einzelnen Kind beschritten werden können
(Schulleiterin Gabi Roder von der St. Jürgen-Schule)

„Überraschende Talente werden in unserer Stunde geweckt, die weiter gefördert werden sollen“

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Das beliebte Rollenspiel „Dirigent“ mit dem  rosa Zauberstab als Taktstock befriedigt zwar Begehrlichkeiten nach Bestimmen-Dürfen und Erster-Sein, allerdings kehren die Kinder in diesem entspannten Rahmen auch außerordentliche Begabungen spielerisch ans Tageslicht! Arne Frercks staunte über den zappeligen Leon: „In der Rolle des Dirigenten bewies er plötzlich Taktgefühl und führte die Gruppe mit guten musikalische Gespür – und Julia präsentierte beachtliche schauspielerische Seiten mit einer überaus großen Freude am Singen.“
(Arne Frercks, Musikpädagoge und Heilpraktiker)

Information und Anmeldung
Kreismusikschule Schleswig-Flensburg
Tel. 04621 960 118   *   Fax 04621 960 130
Email  KMS@schleswig-flensburg.de


 

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